Zur Geschichte des Trägervereins ehemalige Synagoge
Oberdorf e.V.

 

Im Herbst 1988 war ich mit Bürgermeister Erich Göttlicher, Verleger Konrad Theiss und anderen Persönlichkeiten zur ersten gemeinsamen Besichtigung in der Synagoge. Sie wurde damals als Lagerraum eines Sanitär-Geschäfts genutzt. Aber trotz Rohren, Waschbecken und Heizkörpern, die den Raum füllten, war unübersehbar, daß wir uns in einem ehemaligen GOTTESHAUS befanden. Die erste Begegnung mit der ehemaligen Synagoge hat uns alle tief beeindruckt. Wir fühlten uns verpflichtet, alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um die ehrwürdige alte Synagoge in Oberdorf wieder herzustellen und sie mit neuem Leben zu füllen.

Anfang 1989 gründeten wir den „TRÄGERVEREIN EHEMALIGE SYNAGOGE OBERDORF“ und definierten schon bei der Grün­dungsversammlung Ziele und Aufgaben, die wir dann in den darauf folgenden Jahren durch die ehrenamtliche Arbeit unserer engagierten Vorstandsmitglieder und starke ideelle und finanzielle Unterstützung erfüllen konnten.

Im Unterschied zu anderen Synagogen, die durch die Öffentliche Hand restauriert wurden, ist die Wiederherstellung unserer Synagoge nicht nur den stattlichen Zuschüssen des Landes, des Landkreises und der Stadt Bopfingen sondern den Spenden von Kommunen, Kirchen, Firmen und Bürgern zu verdanken. Daß auch ehemalige Oberdorfer Juden, die heute in den USA leben, uns Spenden zukommen ließen, hat uns besonders ermutigt und gefreut.

Im November 1993 konnten wir die wiederhergestellte ehemalige Synagoge als GEDENK- UND BEGEGNUNGSSTÄTTE eröffnen. Seither waren viele Tausend Menschen hier. Unübersehbar steht im Bereich der Thora-Nische die MENORA, geschaffen 1993 von Georg Sternbacher. Dieses eindrucksvolle Kunstwerk erinnert an die 88 JUDEN aus Oberdorf, die in den Vernichtungslagern Riga, Izbica, Auschwitz und Theresienstadt ERMORDET wurden. Die Blüten auf der MENORA sind Ausdruck der HOFFNUNG UND VERPFLICHTUNG FÜR UNS ALLE.

Im Herbst 1997 konnten wir in der ehemaligen Synagoge unser MUSEUM ZUR GESCHICHTE DER JUDEN IN OBERDORF eröffnen. Es wurde auf der Grundlage einer sehr sorgfältigen Erforschung der Einzelschicksale Oberdorfer Juden von unserem Geschäfts­führer Felix Sutschek M. A. und dem Kreisarchivar Dr. Bernhard Hildebrand geschaffen.

Mit diesem Museum wollen wir möglichst viele Menschen, insbesondere auch unsere jüngeren Mitbürger, umfassend informieren; wir wollen aber auch zum NACHDENKEN anregen und die Bereitschaft zum ENTSCHIEDENEN WIDERSTAND GEGENÜBER JEDER FORM VON ANTISEMITISMUS und zur Vertiefung eines guten Miteinanders von Juden und Christen fördern.

Der Trägerverein lädt Sie herzlich ein, zur Besichtigung und zu unseren Veranstaltungen in die Gedenk- und Begegnungsstätte zu kommen. Als gemeinnütziger Verein sind wir zur Erfüllung unserer Aufgaben dringend auf neue Mitglieder und auf SPENDEN angewiesen. Um diese Unterstützung möchten wir Sie herzlich bitten.

Jutta Heim-Wenzler
Erster Vorsitzende des Trägerverein